Das Schiedsrichter-Seminar von VDS und DFB war wieder ein großer Erfolg. In Köln wurde eifrig, aber immer fair diskutiert.
Spannende Stunden verlebten mehr als 30 Mitglieder des Verbandes Deutscher Sportjournalisten. Auf Initiative des langjährigen VDS-Vizepräsidenten Hans-Joachim „Jochen“ Zwingmann und in Zusammenarbeit mit dem Video-Assist-Center (VAC) im RTL-Gebäude in Köln-Deutz bekamen die Kollegen in einem vierstündigen Seminar tiefe Einblicke in den berühmten „Kölner Keller“.
Knut Kircher, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB-Schiri GmbH, VAR-Chef Jochen Drees und Alex Feuerherdt als Leiter Kommunikation und Medienarbeit hatten in Zusammenarbeit mit den Bundesliga-Schiedsrichtern Sascha Stegemann und Robert Schröder sowie den Zweitliga-Referees und Video-Assistenten Nicolas Winter und Arne Aarnink ein anspruchsvolles Programm für die Medienvertreter zusammengestellt. Besonders herausfordernd war die klassische Arbeit im „Kölner Keller“, wo die Journalisten selbst Videosequenzen analysieren, beurteilen und möglichst rasch als Info für den Unparteiischen auf dem Platz zusammenstellen mussten.
Wohl alle Medienvertreter waren sich einig, dass diese Einblicke die Hochachtung vor der VAR-Crew gesteigert haben. Vor allem das Ziehen der kalibrierten Linie bei Abseitspositionen oder das Auflösen von Foul- oder Handspielen im Strafraum erfordern nicht nur höchste Konzentration, sondern auch rasches Reaktionsvermögen und schnelle Entscheidungsfindung (Gruppenfoto: Ralf Ibing/firo sportphoto).
Der zweite Teil des Seminars beinhaltete das Einschätzen und Beurteilen von strittigen Videoszenen – Foul oder nicht, Strafstoß oder nicht, Tor oder nicht, Handspiel oder nicht. Dabei konnten die Journalisten eigene Beurteilungen abgeben, die interessanterweise nicht weit von den Einschätzungen beim Seminar für die Manager der Profiklubs, die ebenfalls schon mitgemacht hatten, abwichen. In der Diskussion mit Drees wurde auch deutlich, dass der Ermessensspielraum für die Referees größer ist als viele glauben. Und dies führt auch dazu, dass der VAR nur in Szenen eingreifen sollte, die wirkliche Fehlentscheidungen darstellen. Die Grauzone hierbei ist allerdings auch groß.
Bundesliga-Referee Schröder nahm auch Stellung zum neu eingeführten Statement der Schiedsrichter im Stadion für mehr Transparenz für das Publikum vor Ort. „Ich sehe den Mehrwert gegenüber der bisherigen Praxis mit der schriftlichen Einblendung auf den Videoschirmen im Stadion als eher begrenzt an. Hier sollte man mehr Fleisch an die Sache geben“, betonte er. Kircher machte klar, dass in Zukunft durchaus auch an Bewegtbilder zur Unterstreichung der Schiri- beziehungsweise VAR-Entscheidung im Stadion gedacht wird.
Skepsis bei „Challenge“ für Trainer, Umzug nach Frankfurt am Main in den DFB-Campus
Eher kritisch beurteilt Schröder dagegen die immer wieder diskutierte „Challenge“ der Trainer (zum Beispiel drei pro Team und Halbzeit), da es die Auflösung wirklich spielentscheidender Szenen verhindern könnte. Dass die Verantwortung und der damit verbundene Stress für den VAR bei „Challenges“ natürlich zurückgefahren würden, sei zwar klar, aber dieser Herausforderung stellen sich die Referees gerne. Kircher unterstrich nochmals, dass die Tage des „Kölner Keller“ gezählt sind. Die Schiedsrichter GmbH wird nach Frankfurt am Main in den DFB-Campus umziehen – mit neuen und noch mehr technischen Möglichkeiten.
Abschiedsstimmung schwang auch bei Zwingmann mit, denn nach drei Jahrzehnten als verantwortlicher VDS-Organisator für die Schiedsrichter-Seminare zieht sich der 85-Jährige zurück. Der VDS bedankt sich nochmals ganz herzlich bei „Jochen“ für sein unermüdliches Engagement. In diesem Jahr ist das dpa-Urgestein im Übrigen seit 50 Jahren Vorsitzender des Vereins Niedersächsische Sportpresse, auch ein Rekord in der deutschen Medienlandschaft.
(Ralph Durry)